Von Gestern bis Heute

Von 1900 - 1974

Eine Trommelrechnung beweist es: der Spielmannszug Neuenkirchen wurde 1900 gegründet.

Da man damals noch nicht an ein 100-jähriges Bestehen geglaubt hat, existieren kaum Aufzeichnungen aus den ersten Jahren. Glücklicherweise sind uns doch einige historische Belege erhalten geblieben.

Ein Mitglied aus den allerersten Jahren war Karl Moor, dessen Name hier auf keinen Fall unerwähnt bleiben sollte, da er sich stark für den Aufbau des Vereins eingesetzt hat. Karl Moor war 66 Jahre im aktiven Feuerwehrdienst und zusätzlich 45 Jahre engagiertes Mitglied im Feuerwehr-Spielmannszug.

Das Foto aus dem Jahre 1925 zeigt laut Herrn Johannes Voßhenrich die zu der Zeit aktiven Mitglieder.

von links stehend: Johannes Voßhenrich, Heinrich Bonenkamp, Heinrich Vollmer als Tambourmajor, Georg Spieker als Brandmeister, Josef Dreismann, Anton Kleinegesse, Franz Hanschmidt, Johannes Joachimsmeier von links sitzend: Albert Settertobulte, Hermann Lodenkemper, Gerhard Berkemeier, Heinrich Rötter, Ernst Brockschnieder, Christian Grundmeier

 

Bereits 1928 bereicherten wir das Neuenkirchener Schützenfest mit unseren Klängen. Dieses wird auch in einem Schreiben von der St. Hubertus-Schützengilde i. V. Herrn Josef Feuerborn vom 03.09.1928 dokumentiert. Dort heißt es: "Die freiw. Feuerwehr hat zum diesjährigen Schützenfest in liebenswürdigerweise die Musikkapelle zur Verfügung gestellt. Da eine Forderung seitens der Musikkapelle an den Schützenverein nicht gestellt ist erlauben wir uns, Ihnen 75,- M zu überreichen mit der Bitte, dieselben an die Mitglieder der Musik-Kapelle zu verteilen. Gleichzeitig sprechen wir unsere volle Befriedigung für die Leistungen aus und bitten, den einzelnen Mitgliedern unseren Dank abzustatten."

Festmarsch beim Neuenkirchener Schützenfest 1928.

 

Der Erntedankfestzug 1934 auf der Diekampstraße in Neuenkirchen:

Voran zwei Reiter, Fahnenschwenker, Erntehelfer, dahinter der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr unter der Stabführung von Herrn Heinrich Setter(Tambourmajor von 1928 bis 1934). Die Stangenbohnen im Gemeindehausgarten, sowie die schützende hohe Hecke im Hintergrund sind längst verschwunden. Seit 1949 steht an dieser Stelle das Feuerwehr-Gerätehaus. (laut Herrn Hugo Körkemeier)

 

Von 1934 bis zum Beginn des Krieges war Herr Gerhard Berkemeier Stabführer.

Ein Gedicht auf den Tambourmajor Gerhard Berkemeier, gefallen am 18.8.1944 bei Dorpat/Estland

Zwölf Jahre sind es jetzt wohl her, als er sich stellt zur Feuerwehr.

Der Dienst war ihm stets höchste Pflicht, er machte immer ein ernstes Gesicht.

Im Anfang schlug er den Bum Bum, dies ward ihm nachher doch zu dumm.

Er wollte lernen trommeln, flöten, auch hierbei kam er schwer in Nöten.

Doch dann, als Heinrich machte nicht mehr mit, er schnell zum Tambourstabe griff.

Jetzt war er der gemachte Mann und fing wieder ganz von vorne an.

Er übte fleißig mit der Kapelle und zog nachts noch auf die Trommelfelle.

Die Führung selbst erkannte dieses an und förderte ihn zum Oberfeuerwehrmann.

Als zum Kursus in Münster keiner hatte Zeit, war Gerhard mit Freuden sofort bereit.

Hier lernte er den richtigen Schritt, Trupp Zwei bekam ganz neuen Schliff. Er musste häufig Pölle vertreten, wer der noch spät war am Uhren löten.

Damit er nun konnt seine Hacken schlagen wurden schnell die Stiefel zu Jürgens getragen.
  Hermann, ein geweckter Mann, setzte ihm ein paar breite Eisen dran.

So ging es immer weiter, bis er zu Thalheimer kam als Vorarbeiter.

Die Werksfeuerwehr hatte er bald in seiner Hand, das wurde selbst vom hohen Chef anerkannt.

Drum meldete dieser ihn dann zum Führerkursus in Münster an.

Baurat Witt ihn gleich erkannte, zum Stubenältesten als Jüngster ihn ernannte.

Da hat er es sehr nett und fein, er bekam sogar ein Bett für sich allein.

Als nun der Samstag angekommen, wurde auch die Prüfung vorgenommen.

Diese bestand er mit sehr gut, man schickte ihn nach Haus mit dem Brandmeister-Hut.

Sogar die Wehr zeigt sich jetzt erkenntlich und schenkt dir ein paar Spiegel. leider etwas länglich.

Nimm mit Freuden sie entgegen, wir wollen nur Kameradschaft pflegen.

Hat allzeit sie hoch in Ehr, wir wünschen Dir drum "Gut Wehr!"

 

Im Jubiläumsjahr 1950 zählte der Spielmannszug Neuenkirchen unter der Leitung von Wilhelm Diekmann elf Mitglieder:

Anton Kleinegesse, Hermann Strobkriemann, Heinrich Brockschnieder, Albert Setter, Hans-Hermann Brinkrolf, Bruno Weber, Johannes Joachimsmeier, Heinrich Setter, Arnold Merschbrock und Heinrich Deppe.

 

Nach dreijähriger Mitgliedschaft wurde Bruno Weber im Jahr 1951 Tambourmajor. Durch seinen Einsatz wuchs die Mitgliederzahl auf 20 Kameraden an. Die damalige Lernmethode war ganz "einfach": Hören, Nachspielen und Griffe merken.

So wie er den Verein schon am Anfang stärkte, haben wir ihn auch in den folgenden 37 Jahren als tatkräftigen Tambourmajor erlebt.

 

Das Bild zeigt den Aufmarsch beim Varenseller Sportfest 1953 auf dem Sportplatzgelände an der Varenseller Straße:

Von links nach rechts: Tambourmajour Bruno Weber, Anton Kleinegesse, Hermann Strobkriemann, Friedrich Kriener, Stephan Erdborries, Albert Setter, Heinrich Brokschnieder, Heinrich Setter, Antonius Berghoff, Johannes Joachimsmeier, Heinrich Beckervordersandforth, Erich Bröker und Hans-Hermann Brinkrolf

 

1958 - 1962 übertrug Bruno Weber den Posten des Stabführers an Heinrich Beckervordersandforth, da er in dieser Zeit die neu angeschaffte Lyra spielte. Die Funktion des Tambourmajors und die Ausbildung blieben aber weiterhin in Brunos Hand.

Nach 1962 übernahm Bruno Weber wieder die Gesamtregie. Erst 1969 wurden die Ämter aufgeteilt. Den Posten des 1.Vorsitzenden übernahm Hans Huckemann, Bruno Weber blieb Tambourmajor und Kassierer wurde Konrad Strobkriemann.

Im Laufe der Jahre hat der Spielmannszug Neuenkirchen zahlreiche Veranstaltungen mit seiner Musik begleitet.

1973 konnten die ersten Rekordeinnahmen verzeichnet werden (laut Protokoll der Generalversammlung vom 07.09.1973). Hier wurde ebenfalls bestätigt: "Sollten keine außergewöhnlichen Umstände eintreten, so gaben alle einstimmig das Versprechen des weiteren auf fünf Jahre mitzumachen, damit sich eine Erweiterung und ein Üben auf etwas Show lohnt." (Zitat)

Der 1. Vorsitzende Hans Huckemann stellte auf der Generalversammlung seinen Posten zur Verfügung. Als sein Nachfolger wurde Karl Ridder gewählt, das Amt des 2. Vorsitzenden und stellvertretenden Tambourmajors übernahm Adolf Eggert.

Geübt wurde zu dieser Zeit noch im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Neuenkirchen.

Auszüge aus dem Bericht der Generalversammlung vom 18.10.1974:

"Alsdann kam die Rede auf den erst kürzlich stattgefundenen Ausflug (nach Braubach/Rheinland). Dazu äußerten sich alle Teilnehmer sehr zufriedenstellend. Allgemein wurde er als der beste Ausflug seit Jahren bezeichnet. Auch ich als Tambourmajor (Bruno Weber) bestätige, dass außer ganz geringfügigen Kleinigkeiten der Ausflug einsame Spitze war. Außerdem waren diese Kleinigkeiten mehr privater Natur, so dass von einer Verstimmung im Verein nicht die Rede sein kann."

"Unter Punkt Verschiedenes kam dann die Sache mit dem neuen Schulungskursus in Varensell zur Sprache. Nach einigen Äußerungen, daß dort ganz zu viele Leute aufgenommen würden, wurde die Sache bald von einer anderen Seite gesehen. Auch ich kann heute nach dem zweiten Übungssonntag schon feststellen, daß mindestens die Hälfte der Neuanfangenden in kurzer Zeit kein Interesse mehr zeigen werden. Somit wird sich die vielleicht zu hoch gespannte Erwartung normalisieren."

"Weitere Wortmeldungen zu anderen Angelegenheiten waren nicht zu verzeichnen, außer dass Herr Uhr und Herr Michels eine private Angelegenheit vor die Versammlung zitieren wollten, was aber seitens der Führung des Vereins nicht geduldet wurde."